Elbenbögen von Henry Bodnik

Diese Bögen sind nicht mehr lieferbar!

Bilder zu den Elbenbögen von Henry Bodnik


Henry Bodnik, renommierter Bogenhändler und -schütze, bot einige Jahre lang zwei Bögen an, die den Elbenbögen aus dem Film von Peter Jackson nachempfunden waren, außerdem Pfeile und den Köcher des Legolas. Ich habe die Pfeile und den Bogen des Legolas getestet (Bilder).
Zunächst muss man sich folgender Voraussetzungen bewusst sein:
    1. Es handelt sich um Nachbauten nach dem Film. Dies hat wenig bis nichts zu tun mit Tolkiens Büchern, sondern es handelt sich um (mehr oder weniger gelungene) Interpretationen der Filmcrew. An anderer Stelle habe ich ausgeführt, wie wenig man bei Tolkien zu Pfeil und Bogen findet, und in meiner Kritik zum Buch »Der Herr der Ringe: Waffen und Kriegskunst« bin ich ausführlich auf diese Problematik eingegangen.
       
    2. Henry Bodnik stand vor einem nahezu unlösbaren Problem: Die Bögen und Pfeile im Film sollen gut aussehen, müssen aber nicht schießen bzw. gut fliegen können. Dort wurden ganz schwache Bögen verwandt, viele Schüsse sind digital nachbearbeitet oder sogar gestellt worden. So hat Legolas manchmal gar keinen Bogen in der Hand...
Die erste Problematik schränkte vielleicht die Zielgruppe ein, war aber nicht wirklich bedeutend. Die zweite Problematik aber, verbunden mit rigiden Auflagen der Lizenzgeber, hat leider dafür gesorgt, dass diese Nachbauten nur beschränkt zu empfehlen sind.
    1. Der Elbenbogen aus dem Prolog sieht auf den Bildern (etwa von Elbenwald) sehr gut aus, und auch der Prototyp, den ich auf der Bogenmesse 2003 in Aktion erlebte, war überzeugend: über 2 Meter lang (ungespannt), schön verziert, an den Bogenenden mit Holzeinlagen aus heimischen Hölzern, und zumindest bedingt schussfähig (gefertigt aus Rattan).

    2. In der Massenproduktion verlor der Bogen allerdings; er war nicht mehr so fein gearbeitet und wirkte sowohl im Holz wie in den Schnitzereien plumper als der Prototyp. Auch war bei der Bemalung nicht sehr sauber gearbeitet worden. Man kann den Bogen durchaus einsetzen, wenn man einen Bogen mit schwacher Schussleistung vorzieht, etwa beim LARP – und wenn man eine wirklich schlechte Wurfleistung in Kauf nimmt. Mit LARP-Pfeilen komme ich kaum weiter als 20 Meter, da wirft mein 25-lbs-Horsebow glatte 5 Meter weiter. Dennoch: Für LARP ist der Bogen geeignet, und natürlich auch zur Dekoration. Mit 329 Euro war er allerdings nicht ganz billig.
       
    3. Der Köcher des Legolas (Bilder) war auch sehr schön gemacht und absolut einsetzbar. Er ist stabil gefertigt und kann wie jeder andere Köcher genutzt werden. Allerdings waren 359 Euro für einen Köcher eine ganze Menge Geld.
       
    4. Den Bogen des Legolas (Bilder) konnte ich leider nicht empfehlen. Hier konnten die beiden Bedingungen nicht vereint werden: Eleganz und Schussfähigkeiten. Er ist (sehr) bedingt schussfähig, wenn man ihn zu oft oder zu lange spannt, besteht die Gefahr, dass die Schnitzereien wegplatzen. Ich zitiere aus der Seite von Elbenwald:
      Wunderschöne Handarbeit hat diesem Mythos Gestalt verliehen. Der Bogen von Legolas vereint. in sich drei grundverschiedene Bogentypen: Reiterbogen, Langbogen und Recurvebogen sind hier in perfekter Harmonie und vollendeter Schönheit vereint. Mit kunstvollen elbischen Schnitzereien versehen, ist er von seinem legendären Original nicht zu unterscheiden. Der Bogen ist aus widerstandsfähigem Rattan gefertigt und bedingt schussfähig. Für Beschädigungen am Bogen oder den Schnitzereien bei Gebrauch wird keine Garantie übernommen.
      Leider stimmen hier vor allem die Einschränkungen. Im Vergleich zum Film-Vorbild wirkt der Bogen plump und kein bisschen elegant (und ist absolut zu unterscheiden); diese Plumpheit war nötig, damit er wenigstens bedingt schussfähig ist. Trotzdem besteht die Gefahr, dass die Schnitzereien wegplatzen ... und er wirft noch schlchter als der oben beschriebene Elbenbogen.
      Der Versuch, Optik und Brauchbarkeit zu vereinen, ist gescheitert; ich musste von diesem Bogen für 300 Euro abraten. Um ihn an die Wand zu hängen, ist er nicht schön genug, um ihn zu schießen, nicht gut genug.

    5. Für die Pfeile (Bilder) gilt Vergleichbares. Die Spitze sieht nett aus, ist aber viel zu schwer. Bis etwa 5 Meter kam ich damit zurecht, dann fielen sie einfach runter. Die Federn sind nicht gewickelt, und die Plastiknock ist ein Witz. Bei 80 Euro für drei Pfeile könnte man eine Selfnock erwarten, dann könnte man die Pfeile wenigstens zur Decko an die Wand hängen...


Bilder zu den Elbenbögen von Henry Bodnik


Friedhelm Schneidewind als Bogenschütze

Auszüge aus meinem Artikel in der Zeitschrift »Traditionell Bogenschießen« – PDF mit 173 KB