REZENSION:

Alles Wissenswerte zu DER HOBBIT

Tolkien, John R. R., herausgegeben von Douglas A. Anderson (»The Annotaded Hobbit«, 1988/2002)
(Übersetzung des HOBBIT Wolfgang Krege; Übersetzung und Bearbeitung der Anmerkungen: Lisa Kuppler)

Das große Hobbit-Buch.
Der komplette Text mit Kommentaren und Bildern

Klett-Cotta, Stuttgart 2012, 418 Seiten (nur) 29,95 Euro – 2. Aufl. 2012, 30 Euro

Friedhelm Schneidewind

Es gibt viele schöne Ausgaben vom HOBBIT. Auch die alte Übersetzung von Walter Scherf ist noch am Markt, doch ich empfehle die neuere Übersetzung von Wolfgang Krege. Klett-Cotta hat unterschiedliche Ausgaben heraus gebracht, manche mit wunderschönen Bildern und Zeichnungen, solche, die gut für Kinder geeignet sind und einige, die edel wirken und wunderschön gestaltet sind.

Dieses Buch aber bietet mehr, viel mehr. Douglas A. Anderson, einer der großen Tolkien-Kenner, u. a. seit 2004 Mitherausgeber der Tolkien Studies, hat 1988 mit »The Annotaded Hobbit« ein Werk herausgebracht (2002 in ergänzter und aktualisierter Form), das viele Zusatz-Informationen und Hintergründe aus dem Tolkien-Legendarium, zum Autor und zur Editionsgeschichte mit dem kompletten Text verbindet, das literarische Einflüsse auf die Erzählung offen legt sowie Personen, Schauplätze und Gegenstände erklärt. So etwas ist nicht leicht zu übertragen in eine andere Sprache. Klett-Cotta ist das gelungen.

Mit Lisa Kuppler hat der Verlag eine hervorragende Fachfrau beauftragt, die die Anmerkungen nicht nur übersetzt, sondern auch aktualisiert, bearbeitet und um zahlreiche Informationen über die deutsche Editionsgeschichte bereichert hat. Wie schon bei der gelungenen Bearbeitung der alten Übersetzung von »Der Herr der Ringe« (Rezension) hat Lisa Kuppler auch hier eine Meisterleistung vollbracht.

Zudem ist das großformatige Buch großzügig und edel ausgestattet. Eine Goldprägung verziert den dunkelgrünen Schutzumschlag, ein Lesebändchen hilft bei der Orientierung, der Druck ist gut und komplett zweifarbig, mit unterschiedlichen Farben für den Haupttext und die Kommentare, die Gestaltung klar und übersichtlich. Zahlreiche Zeichnungen und Bilder aus verschiedenen Ausgaben in verschiedenen Ländern sind eine schöne Bereicherung, in einem Farbteil auf Hochglanzpapier finden sich verschiedene Cover, farbige Zeichnungen von Tolkien und Bilder von Alan Lee. Im Anhang ist eine Fassung von »Die Fahrt zum Erebor« abgedruckt, die sich von der in »Nachrichten aus Mittelerde« veröffentlichten unterscheidet.

Dass der Verlag eine solche großzügig ausgestattete Ausgabe für unter 30 Euro anbietet, ist ein großes Lob wert.

Leider fehlt in »Das Große Hobbit-Buch« die Szene, in der Thorin mit dem Schlüssel die Geheimtür öffnet. Diese müsste eigentlich auf die Seite 282 folgen, auf Seite 283 beginnt aber das nächste Kapitel! Da es sich um einen Layout-Fehler handelt, sind wohl alle Exemplare betroffen. Das ist schon sehr ärgerlich und war der FAZ sogar einen Aufhänger in ihrer Rezension »Runenkunde mit Lücken« vom 4.5.2012 wert. Schade, bei diesem tollen Buch ...

Dennoch: Wer eine schön gestaltete und gut zu lesende Fassung des HOBBIT sucht, ist mit diesem Buch bestens bedient. Wer mehr über den HOBBIT und seine Entstehung wissen will, sollte zugreifen. Ein schönes Geschenk ist dieses Buch auch. Und wer keine Lust hat, in den kommenden Diskussionen über die Verfilmung von Peter Jackson darauf verwiesen zu werden, dass DER HOBBIT »nur« ein Kinderbuch sei, ein kleines Büchlein, das Jackson aufgeblasen habe zu drei Monumentalfilmen, der sollte sich dieses Buch zulegen, um es solchen Ingnoranten und Kritikastern unter die Nase zu halten. Mit diesem Buch in der Bahn oder im Bus beim Lesen gesehen zu werden, wird vielleicht das Weltbild mancher Tolkien- und HOBBIT-Verächter zurecht rücken.

Mein Fazit: Kaufen!

Ergänzung I: Zum weiteren Genuss empfehle ich »Die Kunst des Hobbit. Alle Bilder von J. R. R. Tolkien«.

Ergänzung II: Die fehlende Szene ist ab der zweiten Auflage drin, für die erste Auflage gibt es sie als PDF.

Wie ich meine Rolle als Kritiker sehe: Schön oder gut? – Gedanken zur Kunstkritik (Essay)
(Saarländisches Kultur-Journal 5/1995)