REZENSION:

Die Luxus-Leder-Sonder-Ausgabe von DER HOBBIT

Tolkien, John R. R., übersetzt von Wolfgang Krege; Übersetzung der Lieder durchgesehen und ergänzt von Joachim Kalka
Sonderausgabe in grünem Leder, im Schuber, mit 2 Lesebändchen, einem Vorwort von Christopher Tolkien, mit ausklappbarer Karte und Originalillustrationen von Tolkien

Klett-Cotta, Stuttgart 2012, 400 Seiten, limitiert auf 9.999 Exemplare, 99,00 Euro

Friedhelm Schneidewind

Es gibt viele schöne Ausgaben von DER HOBBIT. Empfohlen habe ich in diesem Jahr bereits das Große Hobbit-Buch. Nun liegt eine Ausgabe vor für Leute mit nicht allzu kleinem Geldbeutel, denn immerhin kostet sie fast 100 Euro, die grüne Leder-Prachtausgabe. Sie ist das Geld allerdings auch wert. Passend zur roten Lederausgabe von »Der Herr der Ringe«, wie diese im Schuber, zwar »nur« 400 Seiten stark, aber fast genauso dick, da kein Dünndruckpapier verwendet wurde, macht sie sich im Bücherregal hervorragend neben dieser.

Besonders bemerkenswert sind die fast farbigen 20 Originalillustrationen von Tolkien, aber auch das Vorwort von Christopher Tolkien. Ausgestattet mit 2 Lesebändchen und einer ausklappbarer Karte, schön gesetzt und gestaltet, ist dieses edel wirkende Buch wirklich ein Schmuckstück. Und im Gegensatz zur roten Herr-der-Ringe-Ausgabe wird es sicher auch häufiges Lesen und Blättern vertragen.

Mit den neuen Hobbitausgaben seit Herbst 2012, der Prachtausgabe und der Flexcover-Variante zum Film für 14,95 Euro, hat Klett-Cotta den Text in allen neuen Ausgaben noch einmal überprüft und vereinheitlicht, so dass man sicher sein kann, in allen Ausgaben in Zukunft den identischen Text zu erhalten; da war es in der Vergangenheit manchmal zu leichten Abweichungen gekommen. (Und der in meinen Augen schlimmste Fauxpas von Krege wurde geändert: Aus der Taschenlampe für die Spinne wurde eine kleine Lampe.)

Diese Luxus-Ausgabe ist natürlich schon wegen des Preises nur etwas für Leute mit einer ganz besonderen Beziehung zu Büchern, für Sammlerinnen und/oder Buchliebhaber, für Tolkien-Verrückte oder gut Betuchte. Als Geschenk für andere oder sich selbst ist diese Luxusausgabe zu empfehlen, wer eine schön gestaltete und gut zu lesende Fassung des HOBBIT sucht, ist mit diesem Buch bestens bedient.

Wer mehr über den HOBBIT und seine Entstehung wissen will, sollte (zusätzlich) zu Das große Hobbit-Buch greifen, wer die Bilder noch größer genießen und mehr darüber wissen will, sei auf »Die Kunst des Hobbit« verwiesen.

Wer aber keine Lust hat, in den kommenden Diskussionen über die Verfilmung von Peter Jackson darauf verwiesen zu werden, dass DER HOBBIT »nur« ein Kinderbuch sei, ein kleines Büchlein, das Jackson aufgeblasen habe zu drei Monumentalfilmen, der sollte sich dieses Buch zulegen, um es solchen Ingnoranten und Kritikastern unter die Nase zu halten. Mit diesem Buch in der Bahn oder im Bus beim Lesen gesehen zu werden, wird vielleicht das Weltbild mancher Tolkien- und HOBBIT-Verächter zurecht rücken.

Wie ich meine Rolle als Kritiker sehe: Schön oder gut? – Gedanken zur Kunstkritik (Essay)
(Saarländisches Kultur-Journal 5/1995)